Die romantischen Maler und Wasserfälle
Anfang des 19. Jh. entdeckten europäische Romantiker den Wasserfall als perfektes Motiv für das ästhetische Konzept des 'Erhabenen' — Schönheit gemischt mit Schrecken. Ihre Gemälde prägen, wie Touristen Wasserfälle noch heute sehen.
J. M. W. Turner
Turner malte die Rheinfälle bei Schaffhausen zwischen 1802 und 1842 wiederholt. Seine Aquarelle von Gischt und Regenbogen prägten Großbritanniens Bild der Schweizer Landschaft ein Jahrhundert lang.
Caspar David Friedrich
Friedrichs 'Watzmann' (1824-25) bettete eine kleine Alpenkaskade in den Vordergrund einer weiten Berglandschaft — die Etablierung des Tropus 'Wasserfall als Vordergrund' für deutsche romantische Landschaften.
Frederic Edwin Church
Church malte 'Niagara' (1857) — eine 2 m breite Panoramatafel, eines der berühmtesten Gemälde Amerikas. Er reiste nach Südamerika und malte 'Cotopaxi' (1862) mit Kaskade im Vordergrund.
Hokusai
Der japanische Druckmeister Katsushika Hokusai präsentierte in 'Acht Ansichten von Wasserfällen' (1832-33) japanische Fälle in seinem charakteristischen Flachstil. Die Serie prägte die 'stilisiertes fallendes Wasser'-Ästhetik japanischer Gartengestaltung.
Das Erhabene
Edmund Burkes 'Eine philosophische Untersuchung über den Ursprung unserer Ideen vom Erhabenen und Schönen' (1757) unterschied Schönheit (klein, glatt, ruhig) vom Erhabenen (gewaltig, rau, schrecklich). Wasserfälle waren erhaben — und Maler machten sie so.
Reichenbachfälle
Die Schweizer Fälle wurden berühmt nach Arthur Conan Doyles Kurzgeschichte 'Das letzte Problem' (1893), in der Sherlock Holmes hier Moriarty bekämpft. Touristen strömen zum Reichenbach-Hotel oberhalb.
Moderne Echos
Das romantische Bild des erhabenen Wasserfalls lebt in Naturdokumentationen, Kalenderfotografie und Tourismus-Marketing weiter — sucht noch immer dieselbe Mischung aus Staunen und Unbehagen.
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