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Die 10 schönsten Wasserfälle in Italien

Italiens Wasserfälle reichen vom römisch geregelten Marmore-Fall in Umbrien über Hochalpenkaskaden in den Dolomiten bis zu den heißen Thermalstufen von Saturnia. Extreme Höhen gibt es kaum, dafür eindrucksvolle Schluchten, historisch bedeutende Standorte und geologische Kuriositäten, die in dieser Kombination nirgendwo sonst in Europa zu finden sind. Alle auf der Karte.

1. Cascata delle Marmore, Umbrien

165 Meter in drei Stufen am Velino — und eine direkte Verbindung in die römische Antike. Der Konsul Manius Curius Dentatus ließ den Velino 271 v. Chr. umleiten, um die Sümpfe der Riebenebene bei Rieti trockenzulegen. Das Ergebnis war der höchste künstlich angelegte Wasserfall der Welt, der bis heute in Betrieb ist.

ENEL regelt heute den Abfluss für die Stromerzeugung und gibt das Wasser nach Plan frei, typisch 11–13 Uhr und 16–17 Uhr im Sommer. Außerhalb dieser Zeiten ist die Felswand weitgehend trocken. Es lohnt sich, einige Minuten vor Beginn einer Freigabe zu warten und zu beobachten, wie das Wasser über den Rand strömt. Zwei Bereiche erlauben verschiedene Perspektiven: der untere Parkbereich beim Dorf Marmore und der obere Rand; der Weg zwischen beiden dauert etwa 45 Minuten. Nächste Stadt: Terni, ca. 8 km; mit Bus oder Auto über die SS209 erreichbar.

Beste Jahreszeit: Mai bis August. Eintritt kostenpflichtig; Kombitickets für ober- und unterhalb erhältlich.

2. Cascate del Serio, Lombardei

315 Meter in drei Stufen machen den Serio zum höchsten frei fallenden Wasserfall Italiens — doch er fließt nur fünfmal pro Jahr. Das Wasser wird aus dem Barbellino-Stausee in den Orobischen Alpen oberhalb von Gandino im Serianatal freigegeben, in der Regel an festgelegten Sonntagen zwischen Ende Mai und Anfang Oktober. Die enge Kalksteinschlucht verstärkt das Donnern enorm, und die Gischt erreicht die Aussichtspunkte an der Talstraße weit unten. Außerhalb der Freigabetermine: trockenes Geröllbett.

Aktuelle Freigabedaten vorab bei Uniacque oder beim Bergamo-Tourismusbüro prüfen. Nächste Ortschaft: Valbondione, ca. 40 km nordöstlich von Bergamo; von Mailand Bergamo in 50 Minuten per Bahn. An günstigen Freigabe-Sonntagen ist frühes Kommen wegen des Parkplatzes ratsam.

3. Cascate del Toce, Piemont

Der Toce-Wasserfall im oberen Val Formazza fällt 143 Meter als breiter Pferdeschwanz, der sich über die Felswand verteilt, bevor er sich in der Toce sammelt. Auch hier regelt ein Stausystem die Wasserführung; Sommerläufe finden von Juni bis September statt. Der Felstrichter und das alpine Panorama machen ihn zu einem der fotogenischsten kontrollierten Fälle in den Alpen. Ein Belvedere am historischen Hotel Cascata — das seit dem 19. Jahrhundert Wasserfall-Besucher empfängt — bietet den besten freien Blick.

Das Val Formazza ist von Domodossola erreichbar (Bahnlinie Domodossola–Brig, Verbindung nach der Schweiz), dann ca. 40 km auf der Talstraße. Der breiteste Vorhang zeigt sich in den ersten zehn Minuten nach Freigabebeginn.

4. Cascate di Lillaz, Aostatal

Diese dreistufige Kaskade im Nationalpark Gran Paradiso fällt insgesamt etwa 150 Meter durch eine enge Granitschlucht oberhalb des Weilers Lillaz am Ende des Cognetals. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fällen dieser Liste fließt sie vollständig natürlich und das ganze Jahr über, gespeist von Schneeschmelze und Quellen im Gran-Paradiso-Massiv. Lauteste Phase: Ende Mai bis Juni auf dem Höhepunkt der Schneeschmelze; beeindruckend jedoch bis in den September.

Der markierte Weg ab Lillaz erreicht den oberen Aussichtspunkt in etwa 30 Minuten und passiert die mittlere und untere Stufe. Das Dorf Cogne mit Restaurants und Berghotels liegt ca. 3 km entfernt und eignet sich als Basis. Von Aosta sind es ca. 27 km Straße (keine Bahnverbindung). Eintritt in den Nationalpark kostenlos.

5. Cascata di Fanes, Dolomiten

Versteckt in einer engen Kalksteinschlucht im Naturpark Fanes-Sennes-Prags ist diese zweistufige Kaskade vor allem für ihren Rahmen bekannt: senkrechte, helle Dolomitwände auf beiden Seiten. Der Weg ab San Vigilio di Marebbe dauert etwa 45 Minuten (Einweg) und ist gut markiert. Im Winter wegen Eis- und Lawinengefahr gesperrt; bestes Zeitfenster Juni bis Oktober.

Das Fanestal hat für die Ladiner — die rätoromanischsprachige Minderheit der Dolomiten — eine reiche mythologische Bedeutung, die dem Besuch eine kulturelle Dimension hinzufügt. Unterkunft in San Vigilio di Marebbe; die Dolomiten sind UNESCO-Welterbe. Kein Parkeintritt, aber Parkplätze im Juli und August früh voll.

6. Reinbachfälle, Südtirol

Die dreistufigen Reinbachfälle (ital. Cascate di Riva) bei Sand in Taufers im Ahrntal verfügen über eine gut ausgebaute Besucherinfrastruktur: Holzstege folgen der Schlucht neben der unteren und mittleren Stufe, eine Stahlbrücke überspannt die Schlucht oberhalb des ersten Sturzes. Die 90-minütige Runde ab Dorf ist für die meisten Wanderer mit festem Schuhwerk geeignet. Der Fall fließt ganzjährig vom Riesenferner-Gletscher oben.

Sand in Taufers liegt ca. 35 km nordöstlich von Bruneck, das per Bahn (Pustertal-Bahn, Strecke Innsbruck–Lienz) erreichbar ist. Abschnitte des Weges können im Frühling vereist sein; lokale Auskunft einholen.

7. Cascata dell'Acquafraggia, Lombardei

Der 170 Meter hohe Doppelfächer im Val Bregaglia bei Piuro gehört zu den historisch am besten dokumentierten Wasserfällen Italiens: Leonardo da Vinci skizzierte ihn im Codex Atlanticus (Folio 573), was ihn zu einem der wenigen italienischen Fälle mit einem Bild aus der Renaissance macht. Die zwei Ströme spreizen sich fächerförmig über die Felswand, bevor sie sich unten vereinen. Ein Aussichtspunkt direkt an der SS37 ermöglicht eine freie Sicht; ein kurzer Pfad führt näher heran.

Die SS37 verbindet Chiavenna (am Südende des Malojapasses) mit der Schweiz, sodass der Fall auf dem Weg zwischen dem Comosee und dem Engadin liegt. Chiavenna ist ca. 10 km entfernt. Kostenfrei zugänglich, ganzjährig. Stärkster Fluss im Frühling und Frühsommer.

8. Gole dell'Alcantara, Sizilien

Die Alcantara-Schlucht bietet keinen einzelnen hohen Wasserfall, sondern eine Folge niedriger Kaskaden und Becken in einem spektakulären Basaltcanyon im Osten Siziliens, zwischen den Hängen des Ätna und den Peloritanischen Bergen. Der Basalt entstand aus alten Ätna-Lavaströmen, die erstarrten und zu prismatischen Säulen zerklüfteten — geologisch vergleichbar mit dem Giant's Causeway in Nordirland. Der Alcantara hat sich seitdem in die Lava eingeschnitten und Wände von bis zu 25 Metern Höhe geschaffen.

Die Wassertemperatur beträgt das ganze Jahr über 8–10 °C, unabhängig von der Außentemperatur. Im Sommer waten Besucher mit Neoprenschuhen (am Eingang leihbar) durch den Canyon; die Kälte ist bei sizilianischer Julihitze erfrischend. Zugang über den Regionalpark Gole dell'Alcantara bei Motta Camastra, ca. 30 km südwestlich von Taormina. Ein Aufzug (kostenpflichtig) führt von der oberen Parkfläche ans Canyonniveau; ein Fußweg ist ebenfalls markiert. Täglich geöffnet, Eintritt. Wochenenden im Juli und August sind sehr belebt.

9. Cascata del Varone, Trentino

Dieser 98-Meter-Wasserfall stürzt in eine enge Kalksteinschlucht oberhalb von Riva del Garda. Das Besondere sind die zwei Galerien, die direkt in die Schluchtenwände getrieben wurden und Besuchern ermöglichen, mitten im Gischtschleier zu stehen und das vorbeirauschende Wasser von unten zu sehen — eine ungewöhnlich immersive Erfahrung. In der unteren Galerie ist die Gischt so intensiv, dass ungeschützte Kameras nass werden.

Täglich geöffnet (kostenpflichtig, Öffnungszeiten je nach Saison). Kurze Fahrt oder Radfahrt von Riva del Garda; Riva ist per Bus mit Trento verbunden. Der Fall wird vom Magnonenbach aus dem Kalksteinplateau oben gespeist; Höchststand im Frühling, aber ganzjährig besuchenswert.

10. Cascate del Mulino, Toskana

Die Thermalquellenkaskade bei Saturnia in der Maremma Toskanas ist einzigartig unter den italienischen Wasserfällen: das Wasser hat 37 °C, enthält Schwefel, und fließt über natürlich gewachsene Travertinstufen in flache Becken. Keine Stauanlage, kein Zeitplan — die Quellen fließen konstant. Die öffentliche Badestelle (Le Cascatelle di Saturnia) ist kostenlos und rund um die Uhr zugänglich, 365 Tage im Jahr. Sonnenaufgänge und Werktags-Morgenstunden bieten die wenigsten Besucher.

Das Gelände liegt ca. 3 km unterhalb des Dorfs Saturnia, das selbst ca. 70 km südöstlich von Grosseto liegt. Keine Bahnverbindung; Auto oder Taxi ab Grosseto ist die praktische Anreise. Der Dampf über dem warmen Wasser bei kühler Morgenluft macht die Travertinstufen zu einem der atmosphärischsten Fotomotive Mittelitaliens.

Reiseplanung: die italienische Wasserfall-Route

Die meisten Fälle konzentrieren sich auf drei geografische Regionen: die Zentralalpen und Voralpen (Serio, Toce, Lillaz, Acquafraggia), die Dolomiten und Südtirol (Fanes, Reinbachfälle) sowie den Süden (Alcantara, Saturnia). Marmore in Umbrien und Varone in Trentino liegen dazwischen. Eine sinnvolle Mehrtagesroute kombiniert entweder eine alpine Nordschleife (Serio, Toce, Lillaz, Acquafraggia in drei bis vier Tagen) oder eine Dolomitenrunde mit Fanes und den Reinbachfällen.

Für regulierte Fälle (Serio, Toce, Marmore) unbedingt die aktuellen Freigabedaten der laufenden Saison prüfen, bevor Reisen gebucht werden. Alle Standorte auf der interaktiven Karte.