Die 10 schönsten Wasserfälle in Australien
Australien ist kein klassisches Wasserfall-Reiseziel — der Kontinent ist zu groß, zu trocken, zu weit. Aber wer die richtigen Regionen kennt, findet Fälle, die auf globaler Ebene außergewöhnlich sind: der höchste permanente Einzelsturz der südlichen Hemisphäre, die saisonal überfluteten Schluchten des Northern Territory und die stillen Baumfarnwälder Tasmaniens. Die Entfernungen erfordern Planung, die Belohnung ist entsprechend groß. Alle zehn sind auf der Karte eingetragen.
1. Wallaman Falls, Queensland
Der Wallaman Falls im Girringun National Park ist mit 268 Metern Höhe Australiens höchster permanenter Einzelsturz und der höchste permanente Plunge-Fall der südlichen Hemisphäre. Der Herbert River fällt von einer Basaltkante der Atherton Tablelands — einem fruchtbaren Hochplateau nordwestlich von Cairns — in die Tropenwald-Schlucht darunter. Fahrtzeit von Cairns etwa zwei Stunden über die Kennedy Highway und die Ingham-Straße. Am Klippenrand gibt es eine Aussichtsplattform mit Panoramablick auf das Schluchtbett; ein vier Kilometer langer Fußweg (hin und zurück) führt in die Schlucht zur Wasseroberfläche hinunter. Der Abstieg dauert gut zwei Stunden. Beste Wasserführung liegt zwischen Februar und Mai nach der Regenzeit; in der Trockenzeit fließt der Fall weiter, hat aber deutlich weniger Volumen. Das umliegende Girringun-Gebiet ist für Vogelbeobachtung bekannt — Cassowaries wurden im Parkbereich registriert.
2. Jim Jim Falls, Northern Territory
Der Jim Jim Falls im Kakadu National Park (UNESCO-Welterbe) fällt rund 150 Meter von einer uralten Sandsteinwand des Arnhem Land Escarpments in ein tiefes, klares Becken. Der Zugang ist ausschließlich in der Trockenzeit (Mai bis Oktober) über eine rund 60 Kilometer lange 4WD-Schotterpiste von der Kakadu Highway möglich; in der Regenzeit werden diese Pisten durch Hochwasser und Schlamm wochenlang unpassierbar. Am Trailhead wartet ein kurzer, aber anspruchsvoller Weg über Felsblöcke zur Beckenebene — etwa 1 km, aber technisch durch große Felsbrocken. Das Becken selbst gilt als eines der schönsten Schwimmziele im Norden Australiens. Helikopterflüge aus Jabiru sind eine Alternative in der Regenzeit, wenn der Fall auf seinem Höhepunkt ist, aber nicht zu Fuß erreichbar. Hauptort im Park ist Jabiru, rund 60 km entfernt.
3. Mitchell Falls, Western Australia
Die Mitchell Falls (Punamii-unpuu) im Kimberley sind ein mehrstufiger Katarakt, der in vier Stufen über roten, horizontal geschichteten Sandstein in die Mitchell River-Schlucht fällt — kumulative Höhe rund 80 Meter. Der klassische Zugang verläuft per Helikopter ab Drysdale River Station oder über einen neun Kilometer langen Fußweg (hin und zurück 18 km) durch buschige Savanne mit rotem Lateritboden. Die Hauptwanderung dauert einen vollen Reisetag; ein Känguru-Schale-Becken über dem unteren Fall lädt zum Schwimmen ein. Nur in der Trockenzeit (Mai bis Oktober) zugänglich; in der Regenzeit sind die Kimberley-Pisten für normale Fahrzeuge unpassierbar. Kununurra ist der nächste größere Ort mit regulären Flugverbindungen (KNX). Für eine Selbstfahrer-Tour empfiehlt sich die Gibb River Road, eine der ikonischsten 4WD-Strecken Australiens.
4. Russell Falls, Tasmanien
Die Russell Falls im Mount Field National Park sind Tasmaniens bekanntester Wasserfall — ein dreistufiger Schleierfall in zwei Hauptstufen (zusammen etwa 40–45 Meter), der durch dichten Baumfarn- und Myrtenwald fällt. Der Park ist der älteste Nationalpark Tasmaniens und liegt nur 75 km nordwestlich von Hobart. Der gepflasterte Weg von der Parkeinfahrt ist 1,2 km lang und auch für Kinderwagen geeignet. Eine zweite Aussichtsplattform 20 Minuten weiter bergauf erreicht die Horseshoe Falls (rund 53 m). Ganzjährig zugänglich; Tasmaniens feuchtes Klima garantiert konstante Wasserführung. Die Umgebung des Parks bietet auch Zugang zur subalpinen Hochlandlandschaft des Tarn Shelf, einem der spektakulärsten Tageswanderungen der Insel.
5. Twin Falls, Northern Territory
Wenige Kilometer vom Jim Jim Falls entfernt im Kakadu National Park, ist der Twin Falls ein breiter Katarakt, der über eine Sandsteinterrasse in ein grünes, stillendes Becken fließt. Der Zugang in der Trockenzeit erfolgt per 4WD über die gleiche Schotterpiste wie zum Jim Jim Falls, gefolgt von einem Schlauchboot-Transfer durch eine enge Sandstein-Schlucht. Dieser Bootsservice wird von Parks Australia organisiert und kostet eine kleine Gebühr. Der Sandstrand am Becken ist außergewöhnlich und fast surreal in diesem Kontext. Kombination mit Jim Jim Falls als Tagestour aus Jabiru ist üblich, erfordert aber einen frühen Start und ausreichend Trinkwasser (die Temperaturen überschreiten in der Trockenzeit oft 35 °C).
6. Cathedral Falls, Queensland
Die Cathedral Falls im Wet Tropics Rainforest nördlich von Cairns fallen durch mehrstufiges, dichtes Regenwaldgelände. Zugang über wenig besuchte Forstwege; lokale Guides werden für die Orientierung empfohlen. Die Wasserführung ist stark saisonal; bestes Timing ist März bis April nach dem Ende der Hauptregenzeit, wenn das Volumen noch hoch ist, aber die Straßen wieder befahrbar sind. Die Wet Tropics of Queensland sind ein UNESCO-Weltnaturerbe und beheimaten eine außerordentliche Artenvielfalt, darunter endemische Vögel wie den Victoria's Riflebird und zahlreiche Krokodilarten in den Tieflandgewässern.
7. Wentworth Falls, New South Wales
Die Wentworth Falls in den Blue Mountains fallen in mehreren Stufen insgesamt rund 187 Meter ins Jamison Valley. Eine Aussichtsplattform liegt direkt an der Straße nahe dem Dorf Wentworth Falls; der Abstieg über den National Pass (rund 7 km Rundweg) führt hinter der mittleren Stufe vorbei und bietet eine der spektakulärsten Wandererfahrungen der Blue Mountains. Das Sandstein-Amphitheater darunter ist geologisch bemerkenswert. Zugänglich von Sydney in etwa 90 Minuten per Zug oder Auto auf dem Great Western Highway. Der nächste Hauptbahnhof ist Wentworth Falls Station. Die Blue Mountains empfangen den meisten Niederschlag im Winter und Frühjahr (Juni bis September), wenn die Wasserfälle am stärksten sind.
8. Bridal Veil Falls, Leura, New South Wales
Wenige Kilometer von Wentworth Falls entfernt, fällt der Bridal Veil Falls (Leura Creek, rund 30 m) vom Klippenrand der Blue Mountains in einem dünnen Schleier. Ein kurzer gepflasterter Weg führt vom Parkplatz nahe Leura Mall zur Aussicht. Im Frühjahr (September bis November) umgeben blühende Banksien und Waratahs den Weg. Der Gordon Falls Lookout bietet zusätzliche Blicke entlang der Kliffkante mit mehreren Wasserfällen im gleichen Panorama. Leura ist ein weiterer Knotenpunkt am Blue Mountains-Zugkorridor von Sydney.
9. Erskine Falls, Victoria
Die Erskine Falls in den Otway Ranges fallen 30 Meter über Erskine Creek in einen kühlen Schluchtwald aus Baumfarnen und Sassafras-Myrten. Ein gepflasterter Weg (1,4 km hin und zurück) führt vom Parkplatz zur Basis — für viele der schönste zugängliche Wasserfall entlang der Great Ocean Road. Wer mehr möchte, nimmt den Lower Erskine Track (4 km), der an weiteren kleineren Stufen des Bachs vorbeiführt. Ganzjährig zugänglich; das feuchte Klima der Otway-Küste (jährlicher Niederschlag um 1.000–1.400 mm) garantiert konstante Wasserführung. Die Great Ocean Road selbst ist Australiens bekannteste Küstenstraße und verbindet Geelong mit Warrnambool — Erskine Falls liegt nahe dem Dorf Lorne.
10. Florence Falls, Northern Territory
Die Florence Falls im Litchfield National Park, etwa 120 Kilometer südlich von Darwin, sind ein doppelter Sturz über roten Sandstein in ein tiefes, klares Becken, das zum Schwimmen freigegeben ist. Ein gepflasterter Abstieg führt über 135 Stufen zur Beckenebene. Der Litchfield National Park ist wegen seiner Zugänglichkeit (Normalfahrzeug ab Darwin) und Schwimmmöglichkeiten einer der beliebtesten Tagesausflugs-Nationalparks im Northern Territory. Neben den Florence Falls befinden sich im Litchfield Park die Wangi Falls (ebenfalls schwimmbar und mit zwei Hauptarmen), die Tolmer Falls (nicht schwimmbar, wichtiger Fledermauskaverne-Lebensraum) und die Buley Rockhole-Pools. Die Trockenzeit (Mai bis Oktober) ist die Hauptsaison für Schwimmer; in der Regenzeit sind Schwimmbereiche oft gesperrt.
4WD und Schlauchboot: Zugangstechnik für Kakadu
Jim Jim Falls und Twin Falls im Kakadu National Park erfordern beide eine 4WD-Fahrt auf einer rund 60 Kilometer langen Schotterpiste, die für Standardfahrzeuge nicht geeignet ist. Jim Jim hat zusätzlich einen kurzen, aber technischen Fußweg über Felsblöcke; Twin Falls erfordert nach der Piste einen Schlauchboot-Transfer durch eine enge Sandstein-Schlucht — dieser Transfer wird von Parks Australia organisiert und kostet eine kleine Gebühr. Beide Fälle sind ausschließlich in der Trockenzeit (Mai bis Oktober) erreichbar. Die Gesamttour zu beiden Fällen ist ein langer Reisetag ab Jabiru; eine Übernachtung im Park wird empfohlen. Kakadu National Park ist rund 250 km östlich von Darwin und per Paved Highway ohne 4WD erreichbar — nur die Abstecher zu Jim Jim und Twin Falls verlangen Geländefahrzeug.
Klimazonen und optimales Timing
Australiens Wasserfälle verteilen sich auf vier sehr verschiedene Klimazonen. Der tropische Norden (Kakadu, Litchfield, Kimberley) hat eine scharfe Zweiteilung: Wet Season (November bis April) und Dry Season (Mai bis Oktober). In der Wet Season führen die Fälle zehnmal mehr Wasser — aber Straßen sind überflutet und der Zugang per Helikopter oder Flug bleibt oft die einzige Möglichkeit. In der Dry Season sind Jim Jim, Mitchell und Florence zugänglich; der Nachteil ist niedrigeres Volumen. Queenslands Wet Tropics (Wallaman, Cathedral) laufen am stärksten von Februar bis Mai nach dem Ende der Hauptregenzeit. Die östlichen Ranges — Blue Mountains (Wentworth, Bridal Veil) und Otways (Erskine) — empfangen ganzjährig Niederschlag mit einem Spitzenwert im Winterhalbjahr (Juni bis September). Tasmanien (Russell) ist ganzjährig feucht und ganzjährig zugänglich — am schönsten mit dem Herbst-Goldlicht im März und April.
Tasmaniens Wasserfall-Wald
Tasmanien hat ein feuchtes, gemäßigtes Klima, das ganzjährig Niederschlag liefert — konstante Wasserführung ohne ausgeprägte Trockenzeit, und einen alten Baumfarnwald, der den Wasserfällen einen ganz anderen visuellen Charakter gibt als irgendwo sonst in Australien. Der Myrtenbuche-Baumfarn-Wald (Dicksonia antarctica) rund um die Russell Falls wirkt älter und fremder als die kontinentalen Eukalyptuswälder. Der Mount Field National Park kombiniert einen leichten Zugang zu Russell Falls mit Tagesausflügen ins subalpine Hochland. Hobart, nur 75 km südöstlich, ist eine kompakte, charmante Basis für einen Tasmanien-Wasserfall-Aufenthalt.
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